Aus offenstehenden Türen dringt Hindifilmmusik, vermischt mit dem Geschrei kreischender Serienheldinnen und spielender Kinder. Lautsprecher entschuldigen sich für zweiminütige Verspätungen. Straßenkinder beschallen mit Böllerschlangen die Götter. Häuser sind einzig gebaut um Auto zu verschlucken und wieder auszuspucken. Männer im Anzug füttern Kühe. Parks vermissen das Geschrei spielender Kinder, hören alltäglich den langsamen Schritt alter Menschen.

Vieles, was in der eigenen Kultur eine Selbstverständlichkeit ist, löst bei Besuchern aus einem anderen Teil der Welt Erstaunen und Überraschung aus. Was sind diese Besonderheiten und Eigenarten des eigenen Kulturraumes, die man häufig selbst nicht mehr wahrnimmt?

In einem fotografischen Austausch zwischen Indien und Deutschland, haben die Fotografen Helena Schätzle und Sudharak Olwe versucht, dieses Erstaunen mit der Kamera festzuhalten.

Sudharak Olwe bereiste zwei Monate lang Deutschland. Ihn überraschte die ausgeprägte Individualität, aber auch das Alleinsein vieler Menschen. Jeder und alles folgte Normen und Regeln. Alles funktionierte nach Plan.

Helena Schätzle bereiste insgesamt zehn Monate lang Indien und drückte jedes Mal auf den Auslöser ihrer Kamera, wenn sie sich in einer Situation befand, die auf sie ungewöhnlich oder bizarr wirkte. Ihre Bilder zeigen Alltagsmomente in einer Welt voller Extreme: Die selbstverständliche Begegnung von Leben und Tod, das Nebeneinander von Arm und Reich, ungezügelte Lebensfreude in tiefstem Elend.

In ihrer Ausstellung „Gefärbte Welten“ stellen Helena Schätzle und Sudharak Olwe ihre Bilder gemeinsam aus. Die indische Welt gesehen aus der Sicht einer Deutschen, die deutsche aus der Sicht eines Inders.

Die Ausstellung war bislang an verschiedenen Orten zu sehen und wir im September in Mumbai gezeigt werden. Ein Buch zur Ausstellung wurde mit den Grafikdesignern Lilly Nikolic und Eva Kroder ausgearbeitet.